LIEBE, MACHT & FREIHEIT

Liebe, Macht und Freiheit sind für mich starke Wechselwirkungen im täglichen menschlichen Miteinander. Wechselwirkungen sind so etwas wie die Effekte, die Mond und Erde aufeinander haben. Sie wirken einfach, ob ich sie nun beachte oder nicht. Diese Wirkungen sind beidseitig und gleichzeitig. Mit „Beidseitig“ meine ich, dass jede Seite sendet und empfängt und dass unklar ist, wer angefangen hat. Gleichzeitig bedeutet, dass Vieles parallel wirkt und sich gegenseitig bedingt. Wissenschaftler nennen das auch komplex. Wenn etwas lebendig ist, sind die Wechselwirkungen sehr komplex.

Das klingt kompliziert, ist aber nicht. Das Erlernen funktioniert auf mehreren Ebenen und braucht mehr als nur Wissen. Als Kind lernte ich erst gehen, dann reden und danach beides gleichzeitig. Um das zu erreichen bin ich immer wieder hingefallen, habe über viele Jahre die Worte holprig und stotternd in immer längere Sätze gebracht. Niemand hat mir eine Bedienungsanleitung gegeben. Es war und ist eher ein andauerndes Spiel, bei dem es auch mal weh tut.

Irgendwie gibt es in mir eine Motivation, es lernen zu wollen und auch die Ressourcen, um Komplexes lernen zu können. Ich habe dafür natürliche Fähigkeiten. Ich kann sie sogar sehr bewusst einsetzen um z.B. eine Fremdsprache, einen Tanz oder fliegen zu erlernen. Und obwohl viele scheinbar das Gleiche lernen, hat doch jedes komplexe Lernen eine individuelle Note. Ich erkenne mir bekannte Menschen an ihrem Gang oder an ihrem sprachlichen Ausdruck.

So erlebe ich es auch im menschlichen Miteinander – im Ringen um Liebe, Macht & Freiheit. Scheinbar lernen wir das Gleiche und sind doch verschieden, in der Art zu lieben, mit der eigenen Kraft zu wirken oder persönliche Freiheiten zu entdecken. Dabei ist es egal, ob es berufliche oder private Themen betrifft – die Unterschiede sind da. Und sie wirken immer – wechselseitig und gleichzeitig. In diesen menschlichen Wechselwirkungen gibt es keine eindeutige Wahrheit. Es gibt vielmehr ganz viele Wahrheiten – und diese brauchen Verständigung. Verständigung braucht Kontakt, braucht Verbindung. So wie beim Telefonieren: Ist die Verbindung schlecht, ist die Verständigung schwierig. Mehr Kontakt verbessert das Fließen von Energie und erleichtert den Austausch.

Ich vergleiche Verständigung gern mit Fliegen. Beim Fliegen sind drei Wechselwirkungen hilfreich: Gravitation, Strömungslehre und Thermodynamik. Die Gravitation (Liebe) ist die Kraft die Alles verbindet. Sie hält mich am Boden und bringt mich immer wieder dahin zurück. Dank der Thermodynamik (Freiheit) kann ich mittels Ballon die mir vertraute Erdoberfläche verlassen und Neues entdecken. Gleichzeitig bin ich der Strömung (Macht) ausgeliefert. Erst mit der bewussten Nutzung meiner eigenen Macht in der Strömungslehre, bin ich in der Lage, meinen Flug zu steuern. Dies kann ich mit viel lauter Motorkraft tun. Oder ich steige in einen Drachenflieger und gleite. Ich lerne durch Wissen, durch Wahrnehmung und durch ausprobieren mit wiederholtem Üben. Ich kann fliegen oder mich verständigen, weil ich lerne, bewusst die vorhandenen Wechselwirkungen zu nutzen. Umso mehr ich lerne, umso größer wird mein Flugraum oder mein Verständigungsraum.

Mehr Raum bedeutet auch mehr Fläche für Kontakt. Und mehr Kontakt erleichtert den Austausch. Sich verständigen wird einfacher, macht mehr Freude. Die erweiterten Räume vergrößern mein Erleben von Liebe, Macht und Freiheit. Ich fühle mich lebendiger und ich finde, das lohnt sich – Hier und Jetzt und für mich! Gleichzeitig wird es leichter, mehrere Räume miteinander zu verbinden. Dann entsteht etwas Neues, aus Eins und Eins wird mehr als Zwei – eine Art „Zwei+“. Das erinnert mich an die natürliche Wertschöpfung, die Evolution – welche die lebendige Vielfalt erhöht. Oder wir nennen das Kokreation. Egal wie wir es nennen, es fühlt sich für alle Beteiligten ziemlich gut und lebendig an.